Multiple Sklerose (MS)
eine Einführung
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| Schübe | Nachweisbare Läsionen (Herde) | Zusätzliche Anforderungen zur Diagnosestellung |
| Zwei oder mehr | Zwei oder mehr | Keine |
| Zwei oder mehr | Einer |
Wegweisender
MRT-Befund gemäß den unten dargestellten Kriterien hinsichtlich der
räumlichen Dissemination zwei MS-typische Herde im MRT und wegweisender Liquorbefund oder ein weiterer Schub, der ein weiteres System des zentralen Nervensystems betrifft. |
| Einer | Zwei oder mehr |
Wegweisender
MRT-Befund gemäß den unten dargestellten Kriterien hinsichtlich der
zeitlichen Dissemination zweiter klinisch nachweisbarer Schub. |
| Einer | Einer |
Wegweisender
MRT-Befund gemäß den unten dargestellten Kriterien hinsichtlich der
räumlichen Dissemination wegweisender MRT-Befund gemäß den unten dargestellten Kriterien hinsichtlich der zeitlichen Dissemination oder zweiter klinisch nachweisbarer Schub. |
Auch wenn die beschriebenen Kriterien gegeben sind, ist immer eine kritische Beurteilung notwendig, um andere mögliche Ursachen für das Krankheitsbild auszuschließen, insbesondere wenn die Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) des Gehirns und die Liquoruntersuchung keinen wegweisenden Befund erbringen.
Der MRT-Nachweis der räumlichen Dissemination gilt als gegeben, wenn mindestens drei der vier Kriterien erfüllt sind :
1. MRT-Befund mit einem Kontrastmittel-anreichernden Herd oder neun in der T2-Wichtung sich hyperintens darstellende Herde
2. ein infratentorieller Herd (Herd in Kleinhirn oder Hirnstamm)
3. ein juxtakortikaler Herd (Herd an der Grenze von Hirnrinde und Marklager)
4. drei periventrikuläre Herde (Herde im Marklager nahe den Ventrikeln (inneren Hirnkammern))
Die Revision der McDonald-Kriterien aus dem Jahre 2005 hatte hier zusätzlich ermöglicht, dass
- ein Herd im Rückenmark einen infratentoriellen Herd ersetzen kann
- ein Kontrastmittel anreichernder Herd im Rückenmark einen Kontrastmittel anreichernden Herd im Gehirn ersetzen kann
- Herde im Rückenmark mit denen im Hirn addiert werden können, um die geforderte Zahl von 9 Herden zu erreichen.
Der MRT-Nachweis der zeitlichen Dissemination gilt als gegeben, wenn
- ein Kontrastmittel anreichernder Herd im MRT mindestens drei Monate nach einem vorangegangenen Schub auftritt mit einer anderen Lokalisation, als der vorangegangene Schub oder
- bei Fehlen eines neuen Kontrastmittel anreichernden Herdes drei Monate nach einem früheren Schub nach weiteren drei Monaten ein neuer Kontrastmittel anreichernder Herd oder ein hyperintenser Herd in der T2-Wichtung im MRT dargestellt werden kann.
Nach der Revision der McDonald-Kriterien aus dem Jahre 2005 gilt die zeitliche Dissemination auch als nachgewiesen,
- wenn ein Kontrastmittel anreichernder Herd mindestens drei Monate nach dem Erstauftreten der Krankheitszeichen auftritt, der nicht die erste Symptomatik bedingt haben kann
- wenn zu einem beliebigen Zeitpunkt in der T2-Wichtung des MRT des Gehirns ein neuer hyperintenser Herd im Vergleich zu einer Voruntersuchung auftritt, vorausgesetzt Untersuchung wurde mindestens 30 Tage nach Beginn der ersten Krankheitszeichen angefertigt.
Als McDonald Kriterien (revidierte Version, 2005) zur Diagnose einer primär chronischen Verlaufsform einer Multiplen Sklerose gelten:
- Ein klinisch objektivierbarer Herd
- und mindestens 9 Herde in der T2-Wichtung der MRT des Gehirns oder
i. mindestens 2 Herde im Rückenmarkt oder
ii. vier bis acht Herde im Gehirn und ein Herd im Rückenmark oder
iii. krankhafter Befund der visuell evozierten Potentiale (VEP, s. unter http://www.sklerose-multiple.de/diagnostik) und vier bis acht Herde im Gehirn oder
iv. krankhafter Befund der visuell evozierten Potentiale (VEP) und weniger als vier Herde im Gehirn, aber ein zusätzlicher Herd im Rückenmark
- und Nachweis der zeitlichen Dissemination im MRT oder kontinuierliches Fortschreiten über ein Jahr.
Nach der Revision der McDonald-Kriterien aus dem Jahre 2005 gilt die primär chronische Verlaufsform auch als nachgewiesen, wenn ein kontinuierliches Fortschreiten über ein Jahr im Verlauf oder auch rückblickend festgestellt wurde und zwei der drei folgenden Kriterien erhoben wurden:
- mindestens 9 Herde im MRT des Schädels in der T2-Wichtung oder mindestens vier Herde im MRT des Schädels und krankhafter Befund der VEP
- zwei Herde im MRT des Rückenmarks in der T2-Wichtung
- wegweisender Liquorbefund
Generell müssen Krankheitsbilder, die zu ähnlichen Erscheinungen führen können, z. B. andere Erkrankungen des Immunsystems (Körperabwehr), die sich gegen Körperbestandteile richten, (z.B. Kollagenosen, Vaskulitis, Sarkoidose oder auch eine Borreliose) ausgeschlossen werden.
Multiple Sklerose
(MS) – Häufige Frühsymptome:
►
Sehstörungen
► Störungen
der Augenbewegungen mit Doppelbildern
► Lähmungen
an Armen oder Beinen (sogenannte Paresen)
►
Gefühlsstörungen
► Störungen
der Zielbewegungen (Ataxie)
Im Verlauf können Störungen der Harnentleerung, Gleichgewichtsstörungen, Sprech- und Schluckstörungen hinzu kommen. Treten Schwächen der Muskulatur auf, sind diese im Verlauf oft mit einer Zunahme der Anspannung der betroffenen Muskeln begleitet, der sogenannten Spastik. Gelegentlich werden auch frühzeitig neuropsychologische Auffälligkeiten bemerkt wie Aufmerksamkeits- und Informationsverarbeitungsstörungen.
Es können grundsätzlich alle zentralen neurologischen Systeme betroffen sein und somit sehr verschiedenartige Symptome auftreten.
Besonders hervorzuheben ist unter den Symptomen das Uhthoff-Phänomen, das heißt eine vorübergehende Verschlechterung vorbestehender Symptome bei Fieber oder nach Wärmeanwendungen wie beispielsweise einem heißen Bad. Ursache ist bei erhöhter Körpertemperatur eine Leitungsverschlechterung der Nervenfasern. Bei einigen Patienten ist dies Phänomen sehr ausgeprägt. Andere Patienten berichten dagegen sogar bei einem Saunabesuch keine Zunahme der Symptome zu bemerken. Das Phänomen ist also sehr variabel ausgeprägt.
Multiple Sklerose (MS) – prognostische Faktoren:
Generell lässt sich der Verlauf
eines Patienten mit Multipler Sklerose nicht vorhersagen. Dennoch gibt es eine
Reihe günstiger Faktoren, hierzu zählen
4
Erhalten der Gehfähigkeit
4
Ein Alter von unter 35 Jahren bei Beginn der Erkrankung
4
Beginn mit einem einzelnen Symptom
4
Kurze Dauer des letzen Schubs
4
Nur Sensibilitätsstörungen
4
Gute Rückbildung nach den Schüben
Multiple Sklerose (MS) – Konzept der Krankheitsentstehung im Gewebe
Die Multiple Sklerose gilt als eine Erkrankung der Körperabwehr, des Immunsystems, bei genetisch dafür empfänglichen Personen. Die Abläufe, die zum Auftreten der Multiplen Sklerose führen, sind heute noch nicht genau bekannt. Möglicherweise gibt es auch mehrere Entstehungsweisen.
Bestimmte genetische und Umweltfaktoren erleichtern offenbar bestimmten Abwehrzellen (T-Lymphozyten) und Immunglobulinen (Eiweißkörper des Immunsystems), durch eine Unterbrechung der Blut-Hirn-Schranke in das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) zu gelangen. Dort können lokale Faktoren, auch Infekte, dazu führen, dass Moleküle im Gewebe vermehrt gebildet werden, die es den T-Lymphozyten noch mehr erleichtern, in das Hirn- und Rückenmarksgewebe einzutreten. Entzündungsfördernde Stoffe (Zytokine, wie Interferon-gamma, Tumor-Nekrosefaktor-beta), die von aktivierten T-Lymphozyten gebildet werden, können dann eine verstärkte Entzündungsreaktion bewirken.
Als Bindungsstellen des Gewebes für Entzündungskomplexe kommen beispielsweise das myelinbasische Protein oder das myelinassoziierte Glycoprotein in Frage. Es handelt sich um Bestandteile der Markscheiden (= Myelin, „Isolierung der Nervenfasern“). Die Entzündung führt zu einer lokalen Zerstörung der Markscheiden und der Nervenfasern. Dadurch sind die Nervenfasern nicht mehr in der Lage, Aktionspotentiale, also Informationen, weiterzuleiten. Durch diesen Informationsstop, einen sogenannten Leitungsblock, kommt es zum Auftreten der neurologischen Erscheinungen.
Untersuchungen an Hirngewebspräparaten von MS-Patienten zeigen nach Auftreten der Entzündung deutliche interindividuelle Unterschiede im Überleben der Oligodendrozyten, der Zellen, die im ZNS die Markscheiden bilden. Möglicherweise gibt es verschiedene immunologische Mechanismen, die zu unterschiedlicher Schädigung der verschiedenen Zellstrukturen im Zentralnervensystem führen. Dabei können zwei grundsätzlichen Schädigungstypen jeweils zwei Unterformen zugeordnet werden, so dass sich vier Subtypen unterschieden lassen:
- Patienten mit primär immunologisch induzierter (eingeleiteter) Entmarkung
i. Subtyp I: über Makrophagen und T-Zellen vermittelt;
ii. Subtyp II: über Antikörper- und Komplement vermittelt
- Patienten mit einer angenommenen Störung des Stoffwechsels der Oligodendrozyten
i. Subtyp III: Apoptose (Aktiver Zelltod) der Oligodendrozyten, Verlust von Myelin-assoziiertem Glykoprotein (MAG)
ii. Subtyp IV: Untergang von Oligodendrozyten in der weißen Substanz in der direkten Umgebung des Herdes
Bei einem Patienten kommt jeweils nur eine der verschiedenen Formen der krankheitsbedingten Veränderungen vor. Das weist darauf hin, dass offenbar unterschiedliche Prozesse bei verschiedenen MS-Patienten ablaufen.
Lange Zeit wurde bei der Multiplen Sklerose primär die Schädigung der Markscheiden ohne primäre Störung der Nervenfasern als relevant angesehen. Durch die Demyelinisierung (Schädigung der Markscheiden) des Axons (Nervenfaser) und das entzündliche Umgebungsmilieu werden die Nervenfasern aber ebenfalls geschädigt, offenbar in einem deutlich ausgeprägteren Ausmaß als bisher angenommen. Dabei entspricht das Ausmaß der Schädigung der Nervenfasern dem bleibenden klinischen Schädigungsbild der Patienten. Die genauen ursächlichen Mechanismen, wie die Schädigung der Axone in MS-Plaques erfolgt, sind noch unklar. Neuere Studien zeigen, dass auch ein Befall nicht nur der Fasern (weiße Substanz), sondern auch der grauen Substanz, also der Hirnrinde und Kerngebiete auftritt.
Es gibt aber ebenso eine Reihe
von Mechanismen, die zur Reparatur der Markscheiden ablaufen.
Der geschilderte
Entzündungsprozess findet in Herden statt. Solche Herde sind in der
Kernspintomographie (MRT, Schichtbilder), die von Hirn und Rückenmark
durchgeführt werden und bei Gewebeuntersuchungen darzustellen. Typische Orte des
Auftretens sind der Sehnerv, die weiße Substanz des Gehirns nahe der inneren
Nervenwasser enthaltenden Räume (Ventrikel), des Hirnstamms und des Rückenmarks.
Von der Vernarbung (Sklerose) der Herde leitet sich der Name Multiple Sklerose
ab. Der Ausdruck Encephalomyelitis disseminata leitet sich davon ab, dass
Entzündungen (-itis) im Bereich des Gehirns (Encephalon) und des Rückenmarks (Myelon)
verteilt (disseminiert) auftreten.
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Wenn
Sie weitere Informationen über Multiple Sklerose erhalten möchten,
klicken Sie hier: Zur Diagnostik: www.sklerose-multiple.de/diagnostik Zur Therapie: www.sklerose-multiple.de/therapie |
In
der Klinik Hoher Meissner wird eine qualifizierte Rehabilitation von Patienten
mit Multipler Sklerose durchgeführt.
Mit
den besten Wünschen, insbesondere für Ihre Gesundheit
Chefarzt
der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Die Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt. Sollten Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um Mitteilung. Auch Anregungen werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen sind vorgesehen.
Weitere Medizinische Informationen
und
Links für Patienten und Interessierte –
von
Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
Therapie der spastischen Spinalparalyse
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